Sea of Shadows: Die Qual der Wale

Leo kommt nach Wien! Nein, doch nicht … oder? So ungefähr ging es zu, in der spätsommerlichen zweiten Septemberwoche 2019. Gemeint ist natürlich Leonardo DiCaprio, der angeblich wegen der Europapremiere des von ihm mitproduzierten Films Sea of Shadows den Weg ins Gartenbaukino finden hätte sollen. Gekommen ist er letzten Endes nicht, was aber auch völlig egal war. Denn erstens hielt die große Jane Goodall ein aufwühlendes Eröffnungsplädoyer mit Mini-Stoff-Schweinswal im Anschlag und zweitens vermochte es die Doku, sämtliche im Vorfeld getätigte Spekulationen im Fangnetz zu ersticken.

Fischkoks

Sea of Shadows thematisiert den Kampf gegen Fischwilderei und den damit einhergehenden millionenschweren Handel mit der Schwimmblase des Totoaba vom Golf von Kalifornien bis nach China. Ebenda gilt das „Kokain des Meeres“ nämlich als Delikatesse mit Heilwirkung – wissenschaftlich belegt ist das natürlich nicht. Unmittelbar davon betroffen ist auch der kleinste Wal der Welt: Der 1,5 Meter lange und rund 50 Kilogramm schwere Vaquita verfängt sich in ausgeworfenen Netzen und stirbt. Aktuell (Stand: September 2019) sollen noch zwischen 10 und 15 Exemplare existieren. Tendenz schwindend. Mit ein Grund dafür ist das zu späte Einschreiten der mexikanischen Regierung. Letztlich sprach sie Verbote aus und nahm vielen Einheimischen damit die Lebensgrundlage. Den wildernden Fischern ist das egal – sie werfen weiter Netze aus, in der Hoffnung, eine der Schwimmblasen um ca. 4000 $ an Händler mit Draht zum berüchtigten Sinaloa-Kartell weiterzuverkaufen. In China gehen die Blasen dann um ungefähr 100.000 $ über die Theke.

Doku-Thriller

Aufmerksamkeit erlangten die Ereignisse in Mexiko erst durch das Tätigwerden von Undercover-Ermittlern, Journalisten sowie der NGO Sea Shepherd, die vermutlich während du diese Zeilen liest ihr Leben riskieren. Das Schiff von Sea Shepherd beispielsweise gerät beim Fangnetzefangen ein ums andere Mal in die Schusslinie bewaffneter Fischer. Und der mexikanische Star-Moderator Carlos Loret de Mola fährt ohnehin nur mehr in einer gepanzerten Limousine durch die Gegend. Stets mittendrin befand sich auch Regisseur Richard Ladkani, der mit seinen bedrückenden Bildern manchmal fast vergessen lässt, dass es sich hier um eine Doku und keinen Drogenkartell-Thriller handelt. Sea of Shadows schlägt einerseits nachhaltig aufs Gemüt, zeigt aber auch, was das Medium Film zu erreichen imstande ist.

Ab sofort im Kino. 

P.S.: Wenn ihr euch engagieren wollt, und das werdet ihr spätestens nach dem Film, hier gibt’s diverse Möglichkeiten.

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